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Ingmar Baack

Themeninfo zur Änderung des Umsatzsteuergesetzes ab 1. Juli 2020

Von | Steuer-News

Themeninformation zu den Änderungen bei der Umsatzsteuer ab 1.7.2020 bis 31.12.2020

 

1. Befristete Reduzierung des allgemeinen und ermäßigten Umsatzsteuersatzes

Mit einem 57 Punkte umfassenden Eckpunktepapier beschloss der Koalitionsausschuss am 3.6.2020 ein Konjunkturprogramm, das die Auswirkungen der Corona-Pandemie schneller und leichter überwinden helfen soll.

Als eine der zentralen Maßnahmen gilt wohl die vom 1.7.2020 bis zum 31.12.2020 befristete Reduzierung des regulären Umsatzsteuersatzes von 19 % auf 16 % und des ermäßigten Satzes von 7 % auf 5 %. Damit will die Bundesregierung die Binnennachfrage erhöhen, Investitionsanreize fördern und damit die Konjunktur ankurbeln.

Die Änderung der Umsatzsteuersätze bedeutet für Unternehmen einen erheblichen bürokratischen Aufwand von der Rechnungsausstellung bis zur Registrierkassenumstellung. Insbesondere bei der Anpassung der „Registrierkassen“ ist Eile geboten, damit diese noch rechtzeitig bis zum 1.7.2020 in die Lage versetzt werden können, die passende Umsatzsteuer zu berechnen und auszuweisen. Sollte diese befristete Reduzierung – wie zunächst verkündet – erhalten bleiben, muss ein abermaliges Umstellen ab dem 1.1.2021 erfolgen.

Die letzte Erhöhung des allgemeinen Umsatzsteuersatzes von damals 16 % auf 19 % fand zum 1.1.2007 statt.

Die nachfolgenden Ausführungen sollen Sie über die wichtigsten Fragen für die Übergangszeit informieren und Ihnen Handlungsbedarf aufzeigen.

2. Grundsätze

Die neuen Steuersätze von 16 % und 5 % sind für alle Umsätze anzuwenden, die ab In-Kraft-Treten der Änderungsvorschrift – also nach dem 30.6.2020 – ausgeführt werden. Der Zeitpunkt der Ausführung hängt von der Art des Umsatzes ab:

  • Lieferungen und innergemeinschaftliche Erwerbe gelten im Zeitpunkt der Verschaffung der Verfügungsmacht an den Erwerber als ausgeführt.
  • Bei Werklieferungen bestimmt der Zeitpunkt der Abnahme durch den Erwerber den Ausführungszeitpunkt.
  • Für Dienstleistungen (z. B. Beförderungen, Beratungen, Reparaturen) bestimmt das Leistungsende über den Leistungszeitpunkt.
  • Die unentgeltliche Verwendung für unternehmensfremde Zwecke wird zu dem Zeitpunkt ausgeführt, wann die fiktive Leistung erfolgt.

Wann die vertraglichen Vereinbarungen abgeschlossen oder die Rechnungen erteilt werden bzw. die Vereinnahmung des Entgelts erfolgt, ist für die Frage, welcher Steuersatz – alt oder neu – anzuwenden ist, ohne Bedeutung. Ausnahmen bilden Teilleistungen. Wird also z. B. die Leistung vor dem 1.7.2020 ausgeführt, die Rechnung aber erst nach dem Stichtag erteilt, kommt noch der Steuersatz von 19 % zur Anwendung.

3. Auswirkungen der Umsatzsteuerreduzierung

Beim Unternehmer als Leistungsempfänger wirkt sich die Umsatzsteueränderung nicht kostensenkend aus, soweit er zum Vorsteuerabzug berechtigt ist. Bei Endverbrauchern oder nicht bzw. nicht voll zum Vorsteuerabzug berechtigten Unternehmen hingegen kann die Umsatzsteuerreduzierung zu einer echten finanziellen Entlastung führen, wenn sie vom Unternehmer an den Verbraucher über die Preisgestaltung weitergegeben wird.

Gesetzlich vorgeschriebene Entgelte (Vergütungen, Gebühren, Honorare etc.) schließen die Umsatzsteuer nicht ein. Die Unternehmer (z. B. Steuerberater, Rechtsanwälte, Architekten, Ingenieure) sind in diesen Fällen verpflichtet, diese zusätzlich, mit dem für die Zeit vom 1.7.2020 bis 31.12.2020 festgelegtem Steuersatz, zu berechnen.

Hinweis: § 29 Umsatzsteuergesetz bestimmt, dass bei Leistungen, die auf einem Vertrag beruhen, der nicht später als vier Monate vor dem In-Kraft-Treten des Gesetzes abgeschlossen worden ist, der eine Vertragsteil von dem anderen einen angemessenen Ausgleich der umsatzsteuerlichen Mehr- oder Minderbelastung verlangen kann. Voraussetzung ist aber, dass die Vertragsparteien nichts anderes vereinbart haben.

4. Versteuerung und Abrechnung von Anzahlungen

Bei Anzahlungen entsteht die Steuer bereits im Zeitpunkt der Vereinnahmung des Entgelts oder Teilentgelts, auch wenn die Leistung noch nicht ausgeführt worden ist. Vor dem 1.7.2020 erhaltene Entgelte oder Teilentgelte sind daher mit dem alten Steuersatz von 19 % zu versteuern. Bei Ausführung der Leistung nach dem 30.6.2020 muss die Differenz zwischen dem alten und dem neuen Steuersatz in Höhe von 3% gutgeschrieben werden.

Der Leistungsempfänger kann den Vorsteuerabzug aus den Rechnungen über die Anzahlung vor Ausführung der Leistung geltend machen, sobald er die Rechnung erhalten und die Anzahlung geleistet hat.

Beispiel: Der Architekt erteilt einem Unternehmer im Juni 2020 folgende Rechnung über Planungsleistungen:

 

Vorschuss für Planungsleistungen im I. Quartal 2020  

5000 €

+ 19 % USt 950 €
Summe 5.950€

 

Der Leistungsempfänger bezahlt die Rechnung noch im gleichen Monat. Er kann in der Voranmeldung für Juni 2020 den gezahlten Vorsteuerbetrag in Höhe von 950 € geltend machen. Der Architekt schuldet die Umsatzsteuer in Höhe von 950 € bei Vereinnahmung im Monat Juni mit Ablauf des Monats. Im August 2020 stellt der Architekt dem Unternehmer folgende Schlussrechnung:

 

Honorar für erbrachte Planungsleistungen

 

7.000 €

+ 16 % USt 1.120 €
Summe 8.120 €
Abzüglich Vorschuss 5.000 €
19 % USt 950 €
Summe 5.950 € – 5.950 €
Restzahlung 2.170 €

 

Der Architekt schuldet mit Ablauf des Voranmeldungszeitraums August 2020 die Umsatzsteuer in Höhe von 170 €. Der Leistungsempfänger kann in der Umsatzsteuer-Voranmeldung für August 2020 den Vorsteuerrestbetrag in Höhe von 170 € geltend machen. In der Schlussrechnung sind die bei Ausführung der Leistung vereinnahmten Anzahlungen und die darauf entfallenden Steuerbeträge abzusetzen, wenn für die Anzahlungen Rechnungen mit gesondertem Umsatzsteuerausweis erteilt worden sind.

Werden die Nettoanzahlung und der darauf entfallende Umsatzsteuerbetrag in der Schlussrechnung nicht abgesetzt, schuldet der Unternehmer den gesamten in der Schlussrechnung ausgewiesenen Umsatzsteuerbetrag. Die Umsatzsteuer, die auf die Anzahlungen entfällt, wird dann doppelt geschuldet. Es besteht jedoch die Möglichkeit, die „falsche“ Schlussrechnung zu berichtigen und darin die fehlende Absetzung nachzuholen.

Der unternehmerische Leistungsempfänger kann nur die Umsatzsteuer auf die erbrachte Leistung als Vorsteuer geltend machen. Die vom Leistenden zusätzlich geschuldete Umsatzsteuer aufgrund des zu hohen Steuerausweises kann er nicht als Vorsteuer abziehen.

Die Verpflichtung zur Angabe der Anzahlungsrechnungen und der darin enthaltenen Umsatzsteuer entfällt nur, wenn die Schlussrechnung in Form einer Restrechnung erteilt wird. Dabei ist die Angabe des Gesamtnettoentgelts und der anschließende Abzug der Nettoanzahlungen nicht zu beanstanden.

Hinweis: Alternativ besteht auch die Möglichkeit, in den Abschlagsrechnungen für Leistungen, die nach dem 1.7.2020 ausgeführt werden, bereits vor der Änderung der Umsatzsteuer den neuen Umsatzsteuersatz von 16 % auszuweisen.

5. Klarstellung bei der Ist-Versteuerung

Nach dem Umsatzsteuergesetz (UStG) gilt die Soll-Besteuerung als Regelfall. Das Finanzamt kann auf Antrag gestatten, dass ein Unternehmer,

  • dessen Gesamtumsatz im vorangegangenen Kalenderjahr nicht mehr als 600 000 € betragen hat, oder
  • der von der Verpflichtung, Bücher zu führen und auf Grund jährlicher Bestandsaufnahmen regelmäßig Abschlüsse zu machen, befreit ist, oder
  • soweit er Umsätze aus einer Tätigkeit als Angehöriger eines freien Berufs ausführt,

die Steuer nicht nach den vereinbarten Entgelten, sondern nach den vereinnahmten Entgelten berechnet.

Anders als bei der Regelversteuerung nach vereinbarten Entgelten muss die Steuer bei Anwendung des Ist-Prinzips erst dann an das Finanzamt abgeführt werden, wenn der Kunde tatsächlich bezahlt hat. Die Vorsteuer kann sich der Unternehmer auch in Zukunft bei Leistungsbezug und Vorliegen einer Rechnung unabhängig von der Bezahlung sofort vom Finanzamt erstatten lassen.

Werden Lieferungen oder sonstige Leistungen vor dem 1.7.2020 ausgeführt, das Entgelt jedoch nach diesem Datum vereinnahmt, schuldet der Unternehmer die Umsatzsteuer darauf zum jeweils alten Steuersatz in Höhe von 19 % bzw. 7 %.

6. Abrechnung über Teilleistungen

Teilleistungen sind wirtschaftlich abgrenzbare Teile einheitlicher Werklieferungen oder -leistungen, für die das Entgelt gesondert vereinbart wird und die statt der Gesamtleistung geschuldet werden.

Sowohl der Leistende als auch der Leistungsempfänger müssen sich darüber einig sein, dass eine bestimmte Gesamtleistung wirtschaftlich, rechtlich und tatsächlich in Teilleistungen aufgespaltet werden soll. Danach muss auch verfahren werden.

Liegt bei einer einheitlichen Gesamtleistung (z. B. einer Werklieferung, Werkleistung oder Dauerleistung) der Leistungsbeginn vor dem 1.7.2020 und das Leistungsende nach diesem Stichtag, kann sie unter weiteren Voraussetzungen in Teilleistungen aufgeteilt werden.

Die Aufteilung bringt für nicht zum Vorsteuerabzug berechtigte Leistungsempfänger dann einen finanziellen Vorteil, wenn Teilleistungen, deren Vollendung i. d. R. für 2021 geplant sind, vor dem 1.1.2021 vollendet und abgenommen werden. Dann kann noch der nach derzeitigem Regelungsansatz bis dahin geltende verminderte Steuersatz von 16 % verwendet werden. Erfolgt die Abnahme nach dem 31.12.2020, kommt der dann wieder gültige Steuersatz von 19 % zum Tragen.

Beispiel: Eine Malerfirma wird beauftragt, in einem Haus mit neun Wohnungen den Innenanstrich durchzuführen. Die Arbeiten in drei Wohnungen werden im Juni 2020 vollendet und vom Auftraggeber abgenommen und abgerechnet. Die Arbeiten von weiteren drei Wohnungen werden im September 2020 abgenommen und abgerechnet. Die Arbeiten für die letzten drei Wohnungen können erst nach dem 1.1.2021 abgeschlossen und abgenommen werden.

Die im Juni 2020 ausgeführten Teilleistungen sind mit einem Steuersatz von 19 % und die nach dem 1.7.2020 ausgeführten Teilleistungen mit einem Steuersatz von 16 % zu besteuern. Für die letzten 3 Wohnungen gilt dann wieder der (alte) Steuersatz von 19 %.

Bei Werklieferungen und -leistungen müssen Teilleistungen folgende Voraussetzungen erfüllen:

  • Es muss sich um einen wirtschaftlich abgrenzbaren Teil der Werklieferung bzw. Werkleistung handeln.
  • Die Teilleistung muss vollendet sein bzw. gesondert abgenommen werden.
  • Es muss eine gesonderte Vereinbarung über die Entrichtung eines Teilentgelts für die Teilleistung getroffen sein.
  • Die Teilleistung muss gesondert abgerechnet werden.

Wirtschaftliche Teilbarkeit: Nach dem Grundsatz der Einheitlichkeit der Leistung kann eine Werklieferung bzw. -leistung nicht in Lieferelemente und in sonstige Leistungen aufgeteilt werden. Die wirtschaftliche Teilbarkeit einer Werklieferung bzw. -leistung setzt somit voraus, dass die Teilleistung selbst eine Werklieferung bzw. -leistung ist.

Gesonderte Abnahme: Die Annahme von Teilleistungen erfordert die tatsächliche Durchführung der vertraglichen Vereinbarungen, d. h. wenn für die Abnahme Schriftform vereinbart worden ist, so ist auch die Abnahme der Teilleistung gesondert schriftlich festzuhalten. Darüber hinaus sind die Rechtsfolgen der Abnahme zu beachten (Beginn der Gewährleistungsfrist).

Eine nur aus steuerlichen Gründen vorgenommene Abnahme wird nicht anerkannt (z. B. die Gewährleistungsfrist beginnt erst mit Abnahme des Gesamtwerks).

Bei einer Steuersatzänderung muss die Teilleistung vor dem In-Kraft-Treten der Änderung abgenommen werden bzw. bei einer Werkleistung muss diese vorher beendet sein.

Gesonderte Vereinbarung: Aus dem Werkvertrag muss hervorgehen, dass für Teile der Gesamtleistung ein gesondertes Entgelt vereinbart wurde. Regelmäßig enthält der Werkvertrag ein Leistungsverzeichnis, in dem eine Leistungsbeschreibung, Mengen und Preise aufgeführt sind.

Nur wenn im Leistungsverzeichnis derartige Einzelpositionen enthalten sind, können Teilleistungen angenommen werden. Wird lediglich ein Festpreis für das Gesamtwerk vereinbart, scheiden Teilleistungen aus. Bei einer Umsatzsteuersatzänderung muss die Vereinbarung vor dem In-Kraft-Treten der Änderung erfolgen.

Gesonderte Abrechnung: Die Teilleistung muss durch eine entsprechende Rechnungslegung gesondert abgerechnet werden. Die Abrechnung hat dabei den vertraglichen Vereinbarungen zu entsprechen.

Nachprüfbare Unterlagen: Bei der Beurteilung der Frage, ob Teilleistungen vorliegen, kann es sein, dass die Finanzverwaltung folgende Unterlagen einsehen will: Werkvertrag und Leistungsverzeichnis, Bauakte, Stundenlohnzettel der Arbeitnehmer, Besprechungsprotokolle zwischen Auftraggeber und Auftragnehmer.

Anmerkung: Im Hinblick auf die ab 1.7.2020 anstehenden Umsatzsteueränderungen sollten gerade in der Bauwirtschaft Vorkehrungen getroffen werden, um die Übergänge zu dem neuen – erst reduzierten, dann wieder höheren Steuersatz – zu berücksichtigen.

7. Abrechnung von Dauerleistungen

Dauerleistungen, wie z. B. Vermietungen, Wartungen, Leasing, werden an dem Tag ausgeführt, an dem der vereinbarte Leistungszeitraum endet. Dieser kann unterschiedlich lang sein (z. B. Kalendermonat, Vierteljahr); es ist auch möglich, dass keine zeitliche Begrenzung vereinbart ist.

Die Abrechnung und Ausführung von Teilleistungen ist möglich. Teilleistungen gelten mit dem Ende des Abrechnungszeitraums als erbracht. Bei Dauerleistungen, bei denen die Abrechnungszeiträume bis zum 30.6.2020 enden, gilt noch der Steuersatz von 19 %. Ab dem 1.7.2020 kommt der neue Steuersatz von 16 % zum Tragen.

Bitte beachten Sie: Im Vertrag über Dauerleistungen fehlende Angaben müssen in anderen Unterlagen enthalten sein, auf die im Vertrag hinzuweisen ist. Bei einem Vertrag ohne Angabe des Zeitraums der jeweiligen Leistung reicht es aus, wenn sich dieser aus den einzelnen Zahlungsbelegen (Überweisungsträgern) ergibt.

8. Sonderregelung für bestimmte Unternehmer

Für bestimmte Unternehmer hatte das Bundesfinanzministerium (BMF) bei Umsatzsteueränderungen – i. d. R. Erhöhungen –  Sonderregelungen zugelassen, die aller Voraussicht nach auch bei der anstehenden Änderung zum Tragen kommen werden.

Nachfolgend sollen einige davon aufgezeigt werden:

  • Taxi- und Mietwagenunternehmer können demnach die Einnahmen aus der Nachtschicht vom 31.12.2020 zum 1.1.2021 für Beförderungen, die der Umsatzsteuer nach dem Regelsteuersatz unterliegen, dem bis zum 31.12.2020 geltenden allgemeinen Steuersatz von 16 % bzw.5 % unterwerfen.

Dies gilt jedoch dann nicht, für Rechnungen, in denen die Umsatzsteuer nach dem ab 1.1.2021 geltenden Steuersatz von 19 % bzw. 7 % ausgewiesen wird.

  • Bewirtungsleistungen im Gastgewerbe: Besondere Regelungen gelten auch für die Gastronomie. Für sie wurde der Umsatzsteuersatz für Speisen ab dem 1.7.2020 von 19 % auf 7 % Die Reduzierung legte der Gesetzgeber für ein Jahr – also bis zum 30.6.2021 – fest. Nachdem aber ab dem 1.7.2020 die allgemeine Absenkung des Umsatzsteuersatzes von 7 % auf 5 % erfolgt, wird der Prozentsatz von 5 % auch für Gastronomen bis 31.12.2020 gelten.

Ab dem 1.1.2021 bis zum 30.6.2021 kommt dann für Speisen der (eigentlich für ein Jahr beschlossene) reduzierte Steuersatz von 7 % zum Tragen. Ab dem 1.7.2021 steigt der Umsatzsteuersatz dann wieder auf den Regelsatz von 19 %, wenn der Gesetzgeber keine andere Regelung trifft.

Bewirtungsleistungen im Gastgewerbe (z. B. Abgabe von Speisen und Getränken usw.), die in der Silvesternacht vom 31.12.2020 zum 1.1.2021 in Gaststätten, Hotels und ähnlichen Betrieben ausgeführt werden, können voraussichtlich der Umsatzsteuer nach dem bis zum 31.12.2020 geltenden allgemeinen Steuersatz von 5 % für Speisen bzw. 16 % für Getränke unterworfen werden.

  • Besteuerung der Umsätze von Handelsvertretern: Die Leistung des Handelsvertreters ist, sofern sich die Entgeltsvereinbarung nach den §§ 87 ff. HGB richtet, der Umsatzsteuer nach dem ab 1.7.2020 geltenden Steuersatz von 16 % bzw. ab 1.1.2021 dem alten Steuersatz von 19 % zu unterwerfen, wenn der vertretene Unternehmer (Auftraggeber) die Lieferung oder sonstige Leistung an den Kunden nach diesen Terminen ausgeführt hat.

9. Änderung der Bemessungsgrundlagen nachdem 30.6.2020 bzw. 31.12.2021

Kommt es nach dem 30.6.2020 bzw. 31.12.2020 zu einer Minderung oder Erhöhung der Bemessungsgrundlage durch Skonto oder Preisnachlass bzw. durch eine Nachberechnung für einen vor dem 1.7.2020 bzw. 1.1.2021 ausgeführten Umsatz, muss die Berichtigung nach dem bis zum 1.7.2020 bzw. 1.1.2021 geltenden Steuersatz erfolgen.

Die Beträge, die ein Unternehmer zum Einlösen von Gutscheinen für Barzahlungsnachlässe (Rabatt- oder Sparmarken usw.) aufwendet, mindern die Entgelte für die Leistungen, für die er diese Gutscheine ausgegeben hat. Sofern diese Leistungen steuerpflichtig sind, hat der Unternehmer die dafür geschuldete Umsatzsteuer zu berichtigen. Die dazu erforderliche Aufteilung der Einlösungsbeträge auf die vor dem 1.7.2020 bzw. 1.1.2021 und die nach dem 30.6.2020 bzw. 31.12.2020 ausgeführten Umsätze bereitet in der Praxis erfahrungsgemäß Schwierigkeiten. Deshalb wurde es von der Finanzverwaltung zugelassen, die Steuerberichtigung nach einem vereinfachten Verfahren (Zwei-Monats-Regel) vorzunehmen

10. Schlussempfehlungen

  • Nicht oder nur zum Teil zum Vorsteuerabzug berechtigte Leistungsempfänger sollten ggf. in der Zeit bis zum 30.6.2020 geplante Anschaffungen auf einen Termin nach diesem Datum verschieben und Anschaffungen, die nach dem 31.12.2020 vorgesehen sind, vorziehen. Hier sei erneut darauf hingewiesen, dass nicht das Rechnungsdatum, sondern das Leistungsdatum zählt.
  • Vergessen Sie nicht bei Abgabe von Angeboten, Kostenvoranschlägen und Preislisten, beim Abschluss von langfristigen Verträgen auf die Umsatzsteueränderungen zum 1.7.2020 und 1.1.2021 hinzuweisen. Ohne Hinweis ist ein Ausgleich der umsatzsteuerlichen Mehrbelastung nur unter bestimmten Voraussetzungen durchsetzbar.
  • Treffen Sie frühzeitig Vorkehrungen, damit die technischen Voraussetzungen auch für die Fakturierung der Rechnungen mit den neuen Steuersätzen ab dem 1.7.2020 bzw. 1.1.2021 gegeben sind. Insbesondere Kunden mit elektronischen Registrierkassen müssen dafür Sorge tragen, dass diese ab dem 1.7.2020 und dann wieder ab dem 1.1.2021 die richtigen Steuersätze ausweisen und berechnen.
  • Prüfen Sie, ob Teilleistungen erst nach dem 30.6.2020 fertiggestellt und abgenommen werden können.

 

Bitte beachten Sie, dass dieses Informationsschreiben eine individuelle Beratung nicht ersetzen kann! Trotz sorgfältiger und gewissenhafter Bearbeitung aller Beiträge übernehmen wir keine Haftung für den Inhalt. Rechtsstand 8.6.2020.

 

Änderung des Umsatzsteuergesetzes ab 1.7.2020

Von | Steuer-News

Im Rahmen des am 3.6.2020 verkündeten Konjunktur- und Krisenbewältigungspakets hat die Bundesregierung weitreichende Änderungen des Umsatzsteuergesetzes beschlossen. So soll zur Ankurbelung der Nachfrage eine temporäre Absenkung der derzeit geltenden Umsatzsteuersätze erfolgen. Diese auf den ersten Blick erfreuliche Maßnahme wirft jedoch bei näherer Betrachtung erhebliche Fragen und Unsicherheiten auf. Damit Ihnen und uns die Umsetzung der Gesetzesänderungen gelingt, möchten wir nachfolgend die wichtigsten Fragen beantworten.

1. Welche Steuersätze gelten ab 1.7.2020?

Für die Beurteilung der ab 1.7.2020 geltenden Umsatzsteuersätze ist ergänzend eine Regelung aus dem Corona-Steuerhilfegesetz zu beachten. Aufgrund der besonderen Pandemie-Auswirkungen für die Gastronomie hatte der Gesetzgeber für Restaurant- und Verpflegungsleistungen* bereits umsatzsteuerliche Entlastungsmaßnahmen vorgesehen. Die Abgrenzung zwischen Lebensmittellieferungen und Restaurationsdienstleistungen ist bis zum 30.6.2020 und ab dem 1.7.2021 erforderlich. Nach der EuGH- und BFH-Rechtsprechung liegt eine sonstige Leistung (= voller Steuersatz) vor, wenn aus der Sicht eines Durchschnittsverbrauchers das Dienstleistungselement der Speisenabgabe qualitativ überwiegt.

Mit Wirkung ab 1.7.2020 gelten folgende Umsatzsteuersätze:

a. Restaurant-und Verpflegungsleistungen 

bis 30.6.2020 19%
1.7.2020 – 31.12.2020 5%*
1.1.-30.6.2021 7%*
ab 1.7.2021 19%

*= mit Ausnahme der Abgabe  von Getränken

b. übrige Lieferungen und sonstige Leistungen

bis 30.6.2020 19% voller Steuersatz 7% ermäßigter Steuersatz
1.7.2020 – 31.12.2020 16% voller Steuersatz 5% ermäßigter Steuersatz

 

2. Nach welchem zeitlichen Merkmal bemisst sich die Bestimmung des Steuersatzes?

Die neuen Steuersätze gelten nur für die im Zeitraum zwischen 1.7.2020 bis 31.12.2020 erbrachten Umsätze. Für Restaurations- und Verpflegungsleistungen gelten die geänderten Steuersätze darüber hinaus bis zum 30.6.2021.

Maßgebend für die Anwendung des jeweiligen Steuersatzes ist stets der Zeitpunkt, in dem der jeweilige Umsatz ausgeführt wird.  Dabei ist  zwischen Lieferungen und dem Erbringen von Leistungen zu unterscheiden.

Eine Lieferung ist ausgeführt, wenn der Liefergegenstand auf den Abnehmer wechselt und dieser darüber frei verfügen kann.

Eine sonstige Leistung ist ausgeführt, wenn sie vollendet oder beendet und dem Leistungsempfänger zugewendet ist.

Das Bestell– , Rechnungslegungs– oder Zahlungsdatum ist bei der Bemessung des Steuersatzes nicht relevant. Das gilt im übrigen sowohl bei der Ist-Besteuerung als auch bei der Soll-Besteuerung.

Werden statt einer Gesamtleistung Teilleistungen erbracht, kommt es für die Beurteilung des Steuersatzes nicht auf den Zeitpunkt der Gesamtleistung, sondern darauf an, wann die einzelnen Teilleistungen ausgeführt werden.

Weitergehend Informationen zu Werklieferungen, Werkleistungen, Dauerleistungen, Jahresleistungen finden Sie hier.

3.  Wie werden Anzahlungen umsatzversteuert?

Änderungen des Steuersatzes sind auch insoweit – sprich rückwirkend – anzuwenden, als das die Umsatzsteuer dafür – z.B. bei Anzahlungen, Abschlagszahlungen, Vorauszahlungen, Vorschüssen – in den Fällen der Istversteuerung bereits vor In-Kraft-Treten der Steuersatzänderung entstanden ist. Allerdings ist in diesen Fällen eine Umsatzsteuerkorrektur erst für den Voranmeldungszeitraum vorzunehmen, in dem die Leistung tatsächlich ausgeführt wird.

Wenn Sie also vor dem 30.6.2020 Anzahlungen, Abschlagszahlungen, Vorauszahlungen oder Vorschüsse vereinnahmt haben der Umsatz jedoch erst ab dem 1.7.2020 ausgeführt wird, ist eine Korrektur erforderlich.

4. Was gilt in Umtauschfällen?

Beim Umtausch einer Ware wird die ursprüngliche Lieferung rückgängig gemacht. An ihre Stelle tritt eine neue Lieferung.

Wird also ein vor dem 1.7.2020 bzw. 1.1.2021 gelieferter Gegenstand nach diesem Stichtag umgetauscht, ist auf die Lieferung der Ersatzware der ab 1.7.2020 bzw. 1.1.2021 geltende Steuersatz anzuwenden.

5. Welche Auswirkungen ergeben sich auf die Rechnungsausstellung?

Rechnungen müssen u.a. den zutreffenden Steuersatz und Steuerbetrag enthalten. Bei einem unzutreffend hohen Steuerausweis, schuldet der Leistungserbringer auch den ausgewiesenen Mehrbetrag. Gleichwohl steht dem Leistungsempfänger ein Vorsteuerabzug nur in Höhe des gesetzlich zutreffenden Umsatzsteuerbetrages zu.

Das bedeutet, dass bei einer ab 1.7.2020 erbrachten Lieferung oder ausgeführten sonstigen Leistung eine Steuerschuld von z.B. 19% anstelle von 16% entsteht, wenn die Rechnung fälschlicherweise mit 19% ausgestellt wird.  Dem Kunden entsteht insoweit ein Nachteil, als dass er die Rechnung inklusive 19% Umsatzsteuer zahlen muss obwohl ihm nur ein Vorsteuerabzug von 16% zusteht.

6. Welche Auswirkungen ergeben sich für den Vorsteuerabzug?

Bei Eingangsrechnungen ist zu beachten, dass für zwischen dem 1.7.2020 und dem 31.12.2020 ausgeführte Umsätze die niedrigeren Steuersätze in Rechnung gestellt werden (müssen). Sollte der leistende Unternehmer irrtümlich die „alten“ zu hohen Steuersätze in Rechnung stellen, steht Ihnen insoweit kein Vorsteuerabzug zu.

7. Was gilt bei Dauerleistungen?

Bei Dauerleistungen, z. B. Vermietung die sich über einen längeren Zeitraum erstrecken, muss geprüft werden, ob der Unternehmer ggf. Teilleistungen ausführt. Soweit Teilleistungen vorliegen, entsteht die Umsatzsteuer für alle Teilleistungen, die bis zum 30.6.2020 ausgeführt worden sind, noch mit dem alten Regelsteuersatz von 19 % bzw. 7 %.

Für alle Teilleistungen, die in der Zeit zwischen dem 1.7. und dem 31.12.2020 ausgeführt werden, gilt der Steuersatz von 16 % bzw. 5 % und danach dann wieder mit 19 % bzw. 7 %.

Für Dauerleistungen müssen Sie Verträge und Dauerrechnungen anpassen, da ansonsten eine Steuerschuld nach § 14c UStG droht.

8. Gibt es Vereinfachungsregelungen für den B2B-Bereich?

Noch ist unklar, ob es Vereinfachungs- oder Nichtbeanstandungsregelungen insbesondere für den B2B-Bereich geben wird.

Der vorliegende Entwurf des BMF-Schreibens enthält dazu bisher keine Ausführungen. Die Wirtschaftsverbände sind aber zur Zeit mit der Kommentierung des BMF-Schreibens beschäftigt und es bleibt abzuwarten, ob praxisnahe und vereinfachende Regelungen ergänzt werden.

Coronakrise: Hilfsmaßnahmen für Selbständige/Freiberufler und Unternehmen

Von | Coronavirus

Wirtschaftliche Auswirkungen

Die Coronakrise hat nicht nur das gesellschaftliche Leben innerhalb von wenigen Tagen zum Erliegen gebracht. Auch zahlreiche Unternehmen, Kleinbetriebe oder Solo-Selbständige sind von ihr betroffen. Wenn auch das Hauptaugenmerk in diesen Tagen zu aller erst auf die Erhaltung der eigenen Gesundheit und die von Familienangehörigen und Freunden gerichtet sein sollte, ist es ratsam daneben auch Überlegungen zur wirtschaftlichen Absicherung des eigenen Unternehmens und der eigenen Familie anzustellen. Abhängig von der Rechtsform stellen sich da folgende Fragen:

  • Ist die Liquiditätsversorgung meines Unternehmens sichergestellt?
  • Sind zeitnahe personelle Maßnahmen erforderlich (Kurzarbeitergeld, Freistellungen, Entlassungen).
  • Wie ist es um die persönliche Absicherung des Unternehmers bestellt.

Was können wir als Steuerberater für Sie tun?

Als Steuerberater sind wir mit den Zahlen Ihres Unternehmens vertraut. Wir erstellen Ihre laufende Finanzbuchhaltung und stellen Ihren Jahresabschluss auf. Durch die Erstellung Ihrer Einkommensteuererklärung haben wir darüber hinaus einen guten Überblick über steuerrelevante Ausgaben, wie z.B. private Krankenversicherung, Immobilienkredite.

Das bedeutet, dass wir Ihnen bei der Bewältigung der anstehenden Herausforderungen mit Rat und Tat zur Seite stehen wollen und können!

Wie gehen wir gemeinsam vor?

Eine erste wesentliche Umstellung wird darin bestehen, dass uns der effektivste Kommunikationsweg, nämlich das persönliche Gespräch nicht zur Verfügung steht. Diesen Umstand haben wir bei der nachstehenden Übersicht bereits beachtet und entsprechende Alternativen  berücksichtigt.

I.  Liquiditätsversorgung

Wenn infolge der Coronakrise wirtschaftliche Auswirkungen auf Ihr Unternehmen bereits eingetreten sind, sich abzeichnen oder nicht sicher ausgeschlossen werden können, sind Maßnahmen zur Liquiditätssicherung erforderlich. Da die bereits aufgelegten oder geplanten Hilfspakete hinsichtlich Ausreichungsweg (Kredit oder Zuschuss), Höhe und Betriebsgröße unterschiedlich ausgelegt sind, empfehlen wir folgende Vorgehensweise:

  1. Verschaffen Sie sich zunächst einen Überblick über den zukünftigen Liquiditätsbedarf. Lassen Sie uns diesen anhand Ihrer Buchhaltungszahlen verifizieren.
  2. Prüfen Sie Stundungs- oder Erlassmöglichkeiten seitens Ihres Vermieters, Ihrer Leasingbank oder anderer Vertragspartner.
  3. Auch die Stundung von Steuernachzahlungen oder die Herabsetzung von laufenden Steuervorauszahlungen ist möglich. Sprechen Sie uns an.
  4. Informieren Sie sich über die bestehenden oder geplanten Hilfspakete. Welches kommt unter Berücksichtigung des ermittelten Liquiditätsbedarfes für Sie infrage. Eine Übersicht der im Freistaat Sachsen möglichen Hilfsmaßnahmen finden Sie nachfolgend (Sächsische Aufbaubank, Kreditanstalt für Wiederaufbau).

Wichtig: Als Steuerberater stehen wir Ihnen in allen vorstehenden Phasen mit Rat und Tat zur Seite. Sprechen Sie uns an. Unsere Mitarbeiter stehen Ihnen telefonisch oder per Mail zur Verfügung. Erforderliche Unterlagen können wir Ihnen kurzfristig auf elektronischem Weg zur Verfügung stellen. Beziehen Sie uns auch gern in den Beantragungsprozess mit ein. Erforderliche Gespräche mit der Hausbank führen wir dann gemeinsam.

II.  Betriebliche Personalmaßnahmen

Auch für Ihre Mitarbeiter ist die aktuelle Situation sehr belastend. Private Ausgaben müssen weiterbezahlt werden, die Kinder müssen infolge der Schließung von Kita oder Schule anderweitig betreut werden. Zögern Sie dennoch nicht, die personelle Situation in Ihrem Unternehmen, also insbesondere die zukünftige Personalauslastung, objektiv einzuschätzen. Der Gesetzgeber hat im Hinblick auf die aktuelle Krisensituation die Zugangsvoraussetzungen zum Kurzarbeitergeld gemindert. So kann infolge von krisenbedingtem Arbeitsausfall von mindestens 10% Lohnausfall bei mindestens 10% der im Betrieb beschäftigten Arbeitnehmer Kurzarbeitergeld beantragt werden. Informationen zur Beantragung erteilt die Bundesagentur für Arbeit.

III.  Persönliche Absicherung

Neben der wirtschaftlichen Absicherung Ihres Unternehmens durch die Inanspruchnahme von Liquiditätshilfen oder der Einleitung von personellen Maßnahmen darf natürlich auch die wirtschaftliche Absicherung des Unternehmers oder Geschäftsführers nicht vergessen werden. Folgende Maßnahmen können hierbei in Betracht kommen:

  1. Stundung- und Herabsetzungsmaßnahmen auch der persönlichen Einkommensteuer.
  2. Bei freiwillig gesetzlich versicherten Unternehmern: Derzeit wird geprüft, wie das heute geltende Beitragsermäßigungsverfahren in der gesetzlichen Krankenversicherung für Selbstständige aufgrund der Corona-Krise erleichtert bzw. angepasst wird. Prüfen Sie daher , ob eine Beitragsanpassung infolge eines erheblichen, krisenbedingtem Einkommensrückgangs 2020 möglich ist (Quelle derzeitige Rechtslage: Spitzenverband der GKV).
  3. Solo-Selbständige: Die Bundesregierung bereitet derzeit ein Hilfsprogramm für Solo-Selbständige vor. Das Gesetzgebungsverfahren läuft und soll am 23.3.2020 abgeschlossen sein. Genaue Einzelheiten sind noch nicht bekannt. Ein Corona FAQ der Ver.di Dienstleistungsgewerkschaft für Solo-Selbständige auf Basis der aktuell (20.3.2020) verfügbaren Informationslage finden Sie hier.
  4. Auch Selbständige haben grundsätzlich Anspruch auf Grundsicherung (Hartz IV), wenn der Verdienst unterhalb des Hartz-IV-Regelsatzes liegt. Derzeit sind jedoch noch Vermögensgrenzen zu beachten. Diese sollen jedoch vorübergehend aufgehoben werden. Vorab zu prüfen ist allerdings, ob vor Bezug andere Vermögensquellen, z.B. die Altersversorgung eingesetzt werden muss. Vorbehaltlich ggf. geeigneterer Hilfsmaßnahmen (z.B. geplantes Hilfsprogramm für Solo-Selbständige) kann die Grundsicherung aber eine zumindest vorübergehende Lösung darstellen.

Die Kontaktdaten unserer Mitarbeiterinnen/Mitarbeiter finden Sie unter TEAM. Kommen Sie auf uns zu. Und bleiben Sie gesund!

 

Entlastungsmassnahmen für vom Coronavirus (COVID-19) betroffene Unternehmen

Von | Coronavirus

Der Coronavirus (COVID-19) beeinträchtigt zunehmend auch die Volkswirtschaften weltweit. Durch den Ausfall zahlreicher Veranstaltungen, den Einschränkungsempfehlungen im privaten Sektor oder auch nur durch persönliche Vorsichtsmaßnahmen ist die Nachfrage in zahlreichen Sektoren betroffen. Gerade kleine und mittlere Unternehmen können dadurch schnell in wirtschaftliche Schwierigkeiten geraten.

Sowohl die Bundesregierung als auch das Sächsische Finanzministerium haben zwischenzeitlich zu den bestehenden oder in Vorbereitung befindlichen steuerlichen und wirtschaftlichen Entlastungsmaßnahmen Stellung genommen.

Für betroffene Unternehmen gilt es jetzt, die potentiellen Risiken vollständig zu erkennen, zutreffend zu bewerten und geeignete Gegenmaßnahmen einzuleiten.

1. Risiken

Die wirtschaftlichen Folgen für betroffene Unternehmen können unterschiedlich sein, z.B.

  • Liquiditätsengpässe infolge von Auftragsrückgängen oder Auftragsstornierungen,
  • Liquiditätsengpässe durch unverändert hohe Steuervorauszahlungen oder Steuernachzahlungen für Vorjahre,
  • Personalengpässe infolge ungeplanter Abwesenheiten, z.B. wegen Kinderbetreuung, Quarantäne, vorsorgliche Freistellungen,
  • Lagerüberkapazitäten,
  • Ausfall von Geschäftsterminen, erschwerte Kundenkommunikation, z.B. im Außendienst,
  • finanzielle Verluste, z.B. durch Ausfall von Fortbildungsveranstaltungen.

 

2. Analyse der wirtschaftlichen Situation

Um geeignete Gegenmaßnahmen einleiten zu können, ist es zunächst erforderlich die wirtschaftliche Situation realistisch einzuschätzen. Dies sollte anhand einer integrierten Erfolgs-und Liquiditätsplanung zusammen mit dem Steuerberater erfolgen. Es reicht, wenn diese Planung zumindest den Zeitraum der nächsten 12 – 15 Monate umfasst. Die Erstellung der Planrechnung ist dann Teamarbeit zwischen Ihnen und Ihrem Steuerberater. Während der Steuerberater die Zahlen der Vergangenheit beisteuert, nehmen Sie eine kritische Einschätzung der zukünftigen Umsatz- und Kostenentwicklung vor. So entsteht nach und nach ein fundiertes Bild der zukünftigen Ertrags- und Liquiditätslage Ihres Unternehmens.

 

3. Auswahl und Einleitung von Gegenmaßnahmen

Die vorliegende Ertrags- und Liquiditätsplanung gibt Aufschluss darüber, wie sich Ertrag aber insbesondere der Liquiditätsbedarf Ihres Unternehmens in den nächsten Monaten voraussichtlich entwickeln wird. Ein sich abzeichnender Liquiditätsengpass sollte dabei sowohl der Höhe als auch dem Zeitpunkt nach bestimmbar sein.

Erst jetzt verfügen Sie über die erforderlichen Informationen zur Auswahl geeigneter Entlastungsmaßnahmen. Zusammen mit Ihrem Steuerberater prüfen Sie die infrage kommenden Entlastungsmaßnahmen. Vorrangig wird es hierbei um liquiditätswirksame Maßnahmen gehen wie z.B.

  • Herabsetzung von laufenden steuerlichen Vorauszahlungen zur Einkommensteuer oder Körperschaftsteuer,
  • Stundung von bevorstehenden Abschlusszahlungen,
  • Beantragung von Kurzarbeitergeld,
  • Aufnahme von Förderkrediten der KfW,
  • Beantragung von Zuschüssen,
  • Personelle Anpassungsmaßnahmen,
  • Einleitung von Kostensenkungen.

Vereinbaren Sie mit Ihrem Steuerberater, dass er unterschiedliche Case-Szenarien erstellt. Diese können dann auch Grundlage für bevorstehende Bankgespräche und Förderanträge sein. Bereiten Sie diese mit ergänzenden Unterlagen gut vor. Vermeiden Sie zeitaufwändige Unterlagennachreichungen durch persönliche Teilnahme Ihres Steuerberaters am Bankgespräch.

Informieren Sie sich weiterhin über neue Hilfsprogramme. Aufgrund der sich abzeichnenden Entwicklung ist damit zu rechnen, dass die Bundesregierung weitere Hilfsmaßnahmen auch für Unternehmen vorbereitet.

4. Linksammlung

Informationen zu KfW-Corona-Hilfen für Unternehmen

Informationen zum Kurzarbeitergeld (Agentur für Arbeit)

Informationen der IHK Leipzig zum Coronavirus

Buchführung Online

Von | Digitale Buchhaltung

Nutzen Sie durch den Einsatz von „DATEV Unternehmen online“ die Vorteile der digitalen Welt für Ihre Buchführung und Lohnabrechnung.

DATEV Unternehmen online ist eine internetbasierte Softwarelösung der DATEV eG, die sich auf die Bedürfnisses eines Unternehmens anpassen lässt. Der Zugang zu den Daten in der DATEV-Cloud ist nur über einen geschützten Internetzugang, z.B. über eine Smartcard  oder den SmartLogin möglich. Wir empfehlen den SmartLogin. Mehr lesen

Was sich für Selbstständige 2018 ändert

Von | Steuertipps

Wichtige Steueränderungen zum 1. Januar 2018

Was ändert sich für Selbstständige in 2018? Welche neuen Gesetze gibt es? Wie kann ich dieses Jahr Steuern sparen? Gerade zu Beginn des Jahres stellen sich viele Unternehmer wieder diese oder ähnliche Fragen. Schließlich ist eine vorausschauende Planung wichtig, damit Sie Steuervorteile richtig nutzen und Ihre Steuerlast senken können.

In diesem Beitrag erfahren Sie, welche wichtigen Änderungen es 2018 gibt und wie Sie mit Ihrem Unternehmen davon profitieren können.

1. Neue Höchstgrenze für geringwertige Wirtschaftsgüter

Bisher konnten Sie geringwertige Wirtschaftsgüter (GWG) wie Kaffeemaschinen, Laptops oder kleinere Büromöbel nur bis zu einem Betrag von 410 Euro sofort abschreiben. Seit 1. Januar 2018 gilt eine höhere Grenze für Sofortabschreibungen: Nun haben Sie auch bei Beträgen von 250,01 Euro bis 800 Euro die Wahl zwischen der Sofortabschreibung und der Bildung eines Sammelpostens.

Die Steuerregeln für GWG ab 01.01.2018:

  • Nettokaufpreis bis 250 EUR: Sofortabzug als Betriebsausgaben
  • Nettokaufpreis 250,01 EUR bis 800 EUR: Sofortabzug als Betriebsausgaben oder Bildung eines Sammelpostens
  • Nettokaufpreis: 800,01 EUR bis 1.000 EUR: Abschreibung über Nutzungsdauer oder Einlegen in Sammelposten

Gerade für Gegenstände des Anlagevermögens, die eine hohe Nutzungsdauer haben, zum Beispiel Möbel (13 Jahre Nutzungs- beziehungsweise Abschreibungsdauer), kann sich die Investition ab 2018 auszahlen. Durch die neue Höchstgrenze können Sie dieses Jahr eine zu lange Abschreibung vermeiden. Entscheidend sind die Nettoanschaffungskosten (ohne Umsatzsteuer) pro gekauftem Gegenstand. Sie können etwa drei neue Schreibtische, die jeweils nicht mehr als 800 Euro netto kosten, in voller Höhe als Betriebsausgaben abziehen und dadurch Ihren Gewinn in diesem Steuerjahr mindern.

2. Reform der Betriebsrente bringt Steueränderungen

Noch zu wenige Arbeitnehmer nutzen in Deutschland die betriebliche Altersversorgung – findet der Gesetzgeber. Deshalb ist zum 1. Januar 2018 das sogenannte Betriebsrentenstärkungsgesetz in Kraft getreten. Es soll vor allem mehr kleine und mittelständische Unternehmen, Handwerksbetriebe und Start-ups dazu motivieren, in die betriebliche Altersvorsorge einzusteigen.

Deshalb passt das neue Gesetz die steuerlichen und sozialversicherungsrechtlichen Rahmenbedingungen an, verpflichtet Arbeitgeber zu Zuschüssen und schafft mit dem „Sozialpartnermodell“ einen neuen Durchführungsweg.

Wichtige Änderungen im Überblick:

  • Erhöhung des Förderrahmens: Beiträge, zum Beispiel an eine Direktversicherung, sind zukünftig bis zu 8 Prozent der Beitragsbemessungsgrenze in der allgemeinen Rentenversicherung (BBG) steuerfrei. Bisher waren es nur maximal 4 Prozent.
  • Verpflichtende Arbeitgeberzuschüsse: Zukünftig sind alle Arbeitgeber verpflichtet, einen Zuschuss in Höhe von 15 Prozent auf den Entgeltumwandlungsbetrag der Beschäftigten zu gewähren. Bisher konnten Unternehmer sparen, da sie auf das umgewandelte Gehalt des Arbeitnehmers keine Sozialabgaben zahlen mussten.
  • Geringverdiener-Förderung: Wenn Sie als Arbeitgeber einem Geringverdiener (max. 2.200 Euro Monatsbruttogehalt) einen Zuschuss zur betrieblichen Altersversorgung von mindestens 240 Euro pro Kalenderjahr zahlen, erhalten Sie eine Rückerstattung von bis zu 30 Prozent über eine Verrechnung mit der Lohnsteuer.

Spätestens 2018 wird es also notwendig, sich stärker mit der betrieblichen Altersversorgung zu befassen, auch mit der eigenen Vorsorge. Überprüfen Sie Ihre bestehenden Systeme beziehungsweise die Möglichkeiten, eine neue Betriebsrente einzuführen.

Neue Abgabefristen für Steuererklärungen gelten erst ab Veranlagungszeitraum 2018

Bald bleibt Ihnen mehr Zeit, um Ihre Steuererklärungen zu erstellen: Die Abgabefristen werden ab dem Veranlagungszeitraum 2018 allgemein um zwei Monate verlängert. Die neuen Abgabefristen für Steuererklärungen gelten aber erst für das Steuerjahr 2018 und nicht – wie mitunter zu lesen ist – schon für das Steuerjahr 2017.

Das sind die neuen Fristen für das Steuerjahr 2018:

  • Für Steuerpflichtige, die ihre Steuererklärungen selbst erstellen: 31. Juli 2019
  • Für Steuerpflichtige, die ihre Steuererklärungen von einem Steuerberater erstellen lassen: 29. Februar 2020

Die Steuererklärungen für das Steuerjahr 2017 müssen Sie also in 2018 noch einmal regulär bis zum 31. Mai abgeben. Wenn Ihre Steuererklärung von einem Steuerberater oder Lohnsteuerhilfeverein erstellt wird, haben Sie noch bis 31. Dezember 2018 Zeit.

Durch die Gesetzesänderungen bei den geringwertigen Wirtschaftsgütern und der betrieblichen Altersversorgung ergeben sich für Sie in 2018 einige Möglichkeiten der Steuergestaltung.

Wie sieht es bei Ihnen aus mit der Betriebsrente und den kleineren Anschaffungen in diesem Jahr? Können Sie die Neuerungen schon für Ihr Unternehmen nutzen? Lassen Sie es uns in den Kommentaren wissen. Teilen Sie den Blogartikel auch mit anderen Selbstständigen, für die die Tipps interessant sind.

Falls Sie individuelle Fragen zu diesen Neuerungen haben, beraten wir Sie gern

Kassenführung

Von | Allgemein

Ordnungsgemäße Kassenführung

Die Finanzverwaltung bemängelt vermehrt die Kassenführung von Unternehmen. Insbesondere weil Aufzeichnungs- und Aufbewahrungspflichten nicht eingehalten werden. Gerade diese formellen Fehler können im Rahmen von Betriebsprüfungen zu nicht unerheblichen Zuschätzungen führen. Zudem besteht die Gefahr, dass die Finanzverwaltung die gesamte Buchführung verwerfen kann, was den Weg für weitere Zuschätzungen bietet. Zuschätzungen führen zu einem höheren Gewinn und damit zu höheren Steuern (z. B. Einkommen-, Körperschaft-, Gewerbe-, Umsatzsteuer und Solidaritätszuschlag). Mehr lesen