Freiberufler oder Gewerbetreibender?

Von 28. Mai 2018Existenzgründung

Welche Auswirkungen Ihr Status auf Steuer & Co. hat

Bin ich Freiberufler? Muss ich ein Gewerbe anmelden? Zu Beginn der Selbstständigkeit stellen sich viele Gründer diese Fragen. Bei manchen Selbstständigen wie Anwälten, Architekten oder Steuerberatern liegt die Antwort auf der Hand. Bei anderen muss letztendlich das Finanzamt über die Zuordnung entscheiden. Und diese bringt einige Vor- und Nachteile mit sich.

Was der Unterschied zwischen Freiberuflern und Gewerbetreibenden ist und welche steuerlichen Auswirkungen der Status hat, erfahren Sie in diesem Blogartikel.

 

Wer ist Freiberufler?

Ob Sie Freiberufler sind oder nicht, können Sie sich nicht aussuchen. Vielmehr geht es um den Charakter Ihrer selbstständigen Tätigkeit.

Sie gehören zu den Freiberuflern, wenn Sie selbstständig einen wissenschaftlichen, künstlerischen, schriftstellerischen, unterrichtenden oder erzieherischen Beruf ausüben. Zu den klassischen freien Berufen, den sogenannten Katalogberufen, zählen unter anderem:

  • Arzt
  • Zahnarzt
  • Tierarzt
  • Rechtsanwalt
  • Notar
  • Ingenieur
  • vereidigter Buchprüfer
  • Hebamme
  • Krankengymnast (Physiotherapeut)
  • Journalist
  • Dolmetscher
  • Übersetzer
  • Schriftsteller
  • Lektor
  • Lehrer
  • Erzieher

Da sich nicht jede selbstständige Tätigkeit so einfach einordnen lässt, gibt es auch ähnliche Berufe. Sie sind mit den Katalogberufen in der Tätigkeit sowie in der beruflichen Qualifikation und den mitunter vorgeschriebenen Zulassungsvoraussetzungen vergleichbar. Ähnliche Berufe können etwa Unternehmensberater, Psychologen, Ergotherapeuten oder Informatiker sein. Hier muss das Finanzamt und manchmal auch ein Gericht über die Freiberuflichkeit entscheiden. Etwa bei Programmierern ist die Klärung oft nicht so einfach.

Während die Freiberuflichkeit steuerlich gesehen Vorteile mit sich bringt, gibt es auch zusätzliche Bestimmungen, die Freiberufler beachten müssen. Einige freie Berufe gehören zu den sogenannten Kammerberufen. Diese Tätigkeiten dürfen nur ausgeübt werden, wenn die Selbstständigen Mitglied in der jeweiligen Standeskammer sind. Dies betrifft zum Beispiel Ärzte, Juristen, Architekten und Steuerberater.

Für die Kammerberufe gibt es außerdem Gebührenordnungen, die die Vergütung regeln. Zum einen schützt das Patienten, Mandanten und Kunden davor, dass Rechnungen willkürlich gelegt werden. Zum anderen wird auch ein ruinöser Wettbewerb unter den Freiberuflern verhindert.

Wenn Sie vom Finanzamt nicht als Freiberufler anerkannt werden und auch nicht zu den sonstigen Selbstständigen wie Testamentsvollstreckern zählen, sind Sie Gewerbetreibender und müssen ein Gewerbe anmelden.

Steuerliche Auswirkungen

Egal, ob Sie Freiberufler oder Gewerbetreibender sind – bei der Einkommensteuer gilt der gleiche Tarif. Auch mit der Umsatzsteuerpflicht hat die Zuordnung nichts zu tun. Was sich unterscheidet, ist die Gewerbesteuerpflicht.

Da Sie als Freiberufler kein Gewerbe beim Gewerbeamt Ihrer Stadt oder Gemeinde anmelden müssen, müssen Sie auch keine Gewerbesteuer zahlen. Bei einer gewerblichen Tätigkeit fällt dagegen Gewerbesteuer an, jedoch nicht sofort. Erst wenn Einzelunternehmen und Personengesellschaften mit ihrem Gewinn den Freibetrag von 24.500 Euro pro Jahr überschreiten, müssen sie Gewerbesteuer zahlen. Die Gewerbesteuer wird allerdings zum großen Teil auf die Einkommensteuer angerechnet. Somit bedeutet sie für viele Gewerbetreibende keine wesentliche Zusatzbelastung.

Ein weiterer Vorteil von Freiberuflern: Sie können ihren Gewinn unabhängig von der Höhe mit einer einfachen Einnahmen-Überschussrechnung ermitteln und müssen keine handelsrechtlichen Bilanzen erstellen. Gewerbliche Selbstständige müssen dagegen ab einem Gewinn von mehr als 60.000 Euro oder einem Umsatz von über 600.000 Euro zwingend eine Bilanz anfertigen.

Was Sie bei gemischten Tätigkeiten beachten müssen

Grundsätzlich sollten Sie freiberufliche Einkünfte nicht mit gewerblichen Einkünften vermischen. Wenn zwischen Ihren freiberuflichen und gewerblichen Tätigkeiten kein wirtschaftlicher oder sachlicher Zusammenhang besteht, können Sie Ihre Einkünfte steuerlich getrennt in der Einkommensteuererklärung (in Anlage G und Anlage S) angeben. Außerdem ist eine getrennte Buchhaltung erforderlich.

Ansonsten handelt es sich um eine gemischte Tätigkeit. Dann kann es passieren, dass das Finanzamt Sie einheitlich als gewerblich einstuft. Dies hängt bei Einzelunternehmern davon, welches Gewicht die jeweiligen Tätigkeiten im Unternehmen haben. Personengesellschaften wie GbRs gelten bei gemischten Tätigkeiten dagegen meistens als gewerblich.

Für Existenzgründer gilt also: Beantragen Sie bei Ihrem zuständigen Finanzamt eine Steuernummer. Dieses entscheidet dann auch, ob Sie als Freiberufler oder Gewerbetreibender eingestuft werden. Wenn Sie sich zu den Angaben, die Sie machen, unsicher sind, können Sie sich vorher von einem Steuerberater beraten lassen.

Teilen Sie den Artikel gern mit anderen Gründern, die sich vielleicht auch noch die Frage stellen, welchen Status sie haben.

 

 

 

 

 

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