Wie Sie für Ihre Mitarbeiter richtig vorsorgen und dabei Kosten sparen

Von 24. August 2018Löhne und Gehälter

Das sollten Arbeitgeber bei der betrieblichen Altersvorsorge beachten

Jeder Arbeitnehmer in Deutschland hat das Recht, über den Betrieb fürs Alter vorzusorgen – aber noch zu wenige nutzen die betriebliche Altersvorsorge (bAV). Mit dem sogenannten Betriebsrentenstärkungsgesetz, das seit Anfang 2018 gilt, will der Gesetzgeber vor allem mehr kleine und mittlere Unternehmen (KMU), Handwerksbetriebe und Start-ups dazu motivieren, in die betriebliche Altersvorsorge einzusteigen.

Obwohl das finanzielle Risiko für Arbeitgeber mit dem neuen Gesetz gesunken ist, machen von den Möglichkeiten bisher nur wenige Unternehmer Gebrauch, wie die Zeitschrift „Finanztest“ (Ausgabe 8/18) berichtet.

 In diesem Blogartikel erfahren Sie, was das Betriebsrentenstärkungsgesetz an Neuerungen und Vorteilen für Sie als Arbeitgeber bringt. Außerdem stellen wir Ihnen das „Sozialpartnermodell“ und die verschiedenen Arten der betrieblichen Altersvorsorge vor.

 

Das Betriebsrentenstärkungsgesetz – die Reform der Betriebsrente

Um die Betriebsrente für KMU attraktiver zu machen, verändern sich mit dem Betriebsrentenstärkungsgesetz die steuerlichen und sozialversicherungsrechtlichen Rahmenbedingungen.

 Durch das „Sozialpartnermodell“ haben Sie als Arbeitgeber die Möglichkeit, nur noch den Beitrag zur Altersvorsorge zuzusagen, nicht aber die feste Rente. Das verringert Ihr finanzielles Risiko. Denn Sie haften nicht mehr, wenn der externe Anbieter der betrieblichen Altersversorgung die Leistung nicht erbringen kann.

 Allerdings müssen alle Arbeitgeber zukünftig auch mindestens 15 Prozent des Entgeltumwandlungsbetrages der Beschäftigten zuschießen. Die neuen Regelungen werden schrittweise eingeführt. In 2018 trifft das zunächst nur zu, wenn Arbeitgeber und Gewerkschaften einer Branche einen Betriebsrenten-Tarifvertrag abschließen.

 Ab 2019 müssen dann auch nicht tarifgebundene Arbeitgeber bei neuen Verträgen mindestens 15 Prozent des Betrages, den ein Mitarbeiter aus seinem Bruttolohn investiert, dazugeben. Ab 2022 gelten diese Regeln auch bei vor 2019 abgeschlossenen laufenden Verträgen.

Welche Steueränderungen die neue Betriebsrente bringt

Neben den verpflichtenden Arbeitgeberzuschüssen bringt die Reform der Betriebsrente weitere steuerliche Auswirkungen mit sich.

Beiträge, zum Beispiel an eine Direktversicherung, sind zukünftig bis zu 8 Prozent der Beitragsbemessungsgrenze (West) steuerfrei. Bisher waren es nur maximal 4 Prozent. Dies sind aktuell bis zu 520 Euro monatlich. Der Förderrahmen hat sich also erhöht. Die Sozialversicherungsfreiheit wird allerdings nach wie vor nur bis 4 Prozent der Beitragsbemessungsgrenze (West) gewährt.

Auch die Geringverdiener sollen stärker gefördert werden. Zahlen Sie einem Geringverdiener (max. 2.200 Euro Monatsbruttogehalt) einen Zuschuss zur betrieblichen Altersversorgung von mindestens 240 Euro pro Kalenderjahr, bekommen Sie eine Rückerstattung von bis zu 30 Prozent über eine Verrechnung mit der Lohnsteuer.

Die Formen der betrieblichen Altersvorsorge

Wie die betriebliche Altersvorsorge in Ihrer Firma durchgeführt wird, entscheiden Sie als Unternehmer. Ihre Mitarbeiter haben keinen Anspruch auf einen bestimmten Durchführungsweg. Bisher gibt es folgende fünf Durchführungswege:

  • Direktzusage: Große Unternehmen wählen oft die Direktzusage als Form der betrieblichen Altersversorgung. Die Rente wird aus dem Betriebsvermögen gezahlt, ein externer Anbieter ist nicht notwendig. Durch die Rückstellungen, die der Arbeitgeber bilden muss und die er auch in die eigene Firma investieren kann, spart das Unternehmen Steuern. Im Falle einer Insolvenz springt der Pensionssicherungsverein ein, an den das Unternehmen Beiträge zahlen muss.
  • Unterstützungskasse: Eigene Unterstützungskassen sind oft bei großen Unternehmen und Konzernen zu finden. Einzahlungen sind steuerlich begünstigt, weshalb diese Form vor allem für Gutverdiener im Unternehmen geeignet ist. Der Arbeitgeber garantiert nur eine Mindestauszahlung. Überschüsse, die darüber hinausgehen, hängen von den Erträgen der Unterstützungskasse ab.
  • Pensionskasse: Pensionskassen stehen traditionell nur den Mitarbeitern bestimmter Firmen zur betrieblichen Altersvorsorge offen. Die Leistungen unterscheiden sich kaum von denen privater Lebensversicherungen. Allerdings dürfen Pensionskassen mit einem höheren Rechnungszins als die vorgeschriebenen 0,9 Prozent kalkulieren. Dadurch können die versicherten Mitarbeiter mit einer höheren Rente rechnen. Inzwischen gibt es auch einige private Lebensversicherer, die Pensionskassen als Tochterunternehmen gründen.
  • Pensionsfonds: Große Unternehmen wählen häufig eigene Pensionsfonds zur betrieblichen Altersversorgung, da sie einen größeren Teil der Geldanlage in Aktien anlegen können. Arbeitgeber gehören selbst dem Pensionssicherungsverein an und sichern so im Insolvenzfall das gesamte Sparvermögen ab. Die Höhe der Rente hängt von den Erträgen ab.
  • Direktversicherung: Die Direktversicherung ist eine Lebensversicherung, die Sie als Arbeitgeber für einen Mitarbeiter abschließen. Diese Form der betrieblichen Altersvorsorge wählen häufig kleine und mittlere Unternehmen. Meistens gibt es einen Garantiezins von 0,9 Prozent (ab 2015) – nicht auf die gesamte Einzahlung, sondern auf den Teil, der nach Abzug der Kosten übrig bleibt. Als Gruppenvertrag für mehrere Mitarbeiter sind Direktversicherungen oft günstiger im Vergleich zu Einzelverträgen.

Am häufigsten entscheiden sich Arbeitgeber für die Formen „Direktversicherung“ und „Pensionskasse“. Das „Sozialpartnermodell“ ist kein neuer Durchführungsweg. Es ermöglicht die neue Form der Zusage, die reine Beitragszusage, bei den Durchführungswegen „Pensionskasse“, „Pensionsfonds“ und „Direktversicherung“.

Wenn Sie die betriebliche Altersvorsorge noch nicht in Ihrem Unternehmen geregelt haben, sind die zuständigen Innungen und Kammern gute Anlaufstellen – gerade wenn es um das „Sozialpartnermodell“ geht. Wir informieren Sie ebenfalls gern über Ihre Möglichkeiten der betrieblichen Altersversorgung.

 

 

 

 

 

 

 

 

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