Überlegungen und Handlungsbedarf zum Jahresende 2017

Von 19. Dezember 2017Steuer-News

KINDERGELD-ANTRAGSFRIST ÄNDERT SICH AB 2018: Mit dem sog.
Steuerumgehungsbekämpfungsgesetz wurde überraschend noch eine Änderung
zum Kindergeld eingeführt, mit der ein Kindergeldantrag ab dem
1.1.2018 nur noch für sechs Monate rückwirkend gestellt werden kann.

Hier gilt insbesondere zu beachten, dass Kindern auch nach deren Erstausbildung weiterhin
Kindergeld zustehen kann, wenn sie eine weitere Ausbildung beginnen. Grundsätzlich
haben die Eltern zwar Anspruch auf den Kinderfreibetrag. Bei der sog. Günstigerprüfung
zwischen der Auswirkung des Kinderfreibetrags und des Kindergelds wird
aber nicht das ausbezahlte Kindergeld berücksichtigt, sondern der grundsätzliche Anspruch
auf das Kindergeld zugrunde gelegt, d. h. dass das Kindergeld angerechnet wird,
auch wenn es wegen verspäteter Antragstellung gar nicht ausgezahlt wurde.

Anmerkung: Insbesondere für erwachsene Kinder zwischen dem 18. und 25. Lebensjahr
sollte grundsätzlich rechtzeitig und vorsorglich ein Antrag bei der Familienkasse gestellt
werden, wenn die Kindergeldgewährung möglich erscheint.

WEIHNACHTSFEIER/BETRIEBS VERANSTALTUNG: Für Betriebsveranstaltungen seit
dem 1.1.2015 wurde die bis zum 31.12.2014 geltende Freigrenze von 110 € in einen
„Freibetrag“ umgewandelt. So bleiben Aufwendungen bis zu dieser Höhe steuerfrei,
auch wenn der Betrag pro Veranstaltung und Arbeitnehmer überschritten wird. Nur der
überschrittene Betrag ist dann steuer- und sozialversicherungspflichtig.

Beispiel: Die Aufwendungen für eine Betriebsveranstaltung betragen 10.000 €. Der Teilnehmerkreis
setzt sich aus 75 Arbeitnehmern zusammen, von denen 25 von je einer
Person begleitet werden. Die Aufwendungen sind auf 100 Personen zu verteilen, sodass
auf jede Person ein geldwerter Vorteil von 100 € entfällt.

Sodann ist der auf die Begleitperson entfallende geldwerte Vorteil dem jeweiligen Arbeitnehmer
zuzurechnen. 50 Arbeitnehmer haben somit einen geldwerten Vorteil von
100 €, der den Freibetrag von 110 € nicht übersteigt und daher nicht steuerpflichtig ist.
Bei 25 Arbeitnehmern beträgt der geldwerte Vorteil 200 €. Nach Abzug des Freibetrags
von 110 € ergibt sich für diese Arbeitnehmer ein steuerpflichtiger geldwerter Vorteil
von jeweils 90 €. Er bleibt dann sozialversicherungsfrei, wenn sie der Arbeitgeber mit
25 % pauschal besteuert.

Bitte beachten Sie: Eine begünstigte Betriebsveranstaltung liegt nur dann vor, wenn sie
allen Angehörigen des Betriebs oder eines Betriebsteils grundsätzlich offensteht. Eine
Betriebsveranstaltung wird als „üblich“ eingestuft, wenn nicht mehr als zwei Veranstaltungen
jährlich durchgeführt werden. Auf die Dauer der einzelnen Veranstaltung kommt
es nicht an. Demnach können auch mehrtägige Betriebsveranstaltungen begüns tigt
sein. Übersteigt der Betrag 110 €, ist der Vorsteuerabzug (insgesamt) nicht möglich.

SONDERABSCHREIBUNG FÜR KLEINE UND MITTLERE UNTERNEHMEN: Werden bewegliche
Wirtschaftsgüter wie z. B. Maschinen angeschafft, können kleine und mittlere
Betriebe – unter weiteren Voraussetzungen – im Jahr der Anschaffung oder Herstellung
sowie in den folgenden vier Wirtschaftsjahren zur normalen Abschreibung zusätzlich
Sonderabschreibungen in Höhe von insgesamt bis zu 20 % in Anspruch nehmen.

Der Unternehmer kann entscheiden, in welchem Jahr er wie viel Prozent der Sonderabschreibung
beanspruchen will und damit die Höhe des Gewinns steuern.

Die für die Inanspruchnahme der Vergünstigung relevanten Betriebsvermögensgrenzen
betragen bei Bilanzierenden 235.000 € bzw. der Wirtschaftswert bei Betrieben der Landund
Forstwirtschaft 125.000 €; die Gewinngrenze bei Einnahme-Überschuss-Rechnern
beträgt 100.000 €.

INVESTITIONSABZUGSBETRAG – NEUE REGELN SEIT 2016: Steuerpflichtige können
für neue oder gebrauchte bewegliche Wirtschaftsgüter des Anlagevermögens, die
sie anschaffen oder herstellen wollen – unter weiteren Voraussetzungen wie z. B. der
betrieblichen Nutzung zu mindestens 90 % und Einhaltung bestimmter Betriebsgrößenmerkmale
bzw. Gewinngrenzen (wie bei der Sonderabschreibung) –, bis zu 40 % der
voraussichtlichen Anschaffungs- oder Herstellungskosten steuerlich gewinnmindernd
abziehen. Der Abzugsbetrag darf im Jahr der Inanspruchnahme und den drei Vorjahren
200.000 € je Betrieb nicht übersteigen.

Durch das Steueränderungsgesetz 2015 wurden die Regelungen zum Investitionsabzugsbetrag
geändert. Daraus ergeben sich, je nach Jahr der Bildung des Investitionsabzugsbetrags
unterschiedliche Voraussetzungen.

Bildung eines Investitionsabzugsbetrags bis zum 31.12.2015: Ein Unternehmer will
in den nächsten drei Jahren für seinen Betrieb eine „bestimmte“ Maschine im Wert von
netto 50.000 € anschaffen. Hierfür kann er bereits für 2015 einen Investitionsabzugsbetrag
in Höhe von 40 % (= 20.000 €) der Anschaffungskosten in Anspruch nehmen, der
sich in diesem Jahr auch gewinnmindernd auswirkt.

Schafft der Unternehmer nunmehr „diese spezielle Maschine“, für die er den Investitionsabzugsbetrag
in Anspruch genommen hat, innerhalb der nächsten drei Jahre an,
kann er die Bemessungsgrundlage für die weiteren Abschreibungen und Sonderabschreibungen
auf 30.000 € im Anschaffungsjahr vermindern, um die erforderliche steuerliche
Hinzurechnung auszugleichen. Zusätzlich kann er eine Sonderabschreibung in
Höhe von 20 % (= 6.000 €) gewinnmindernd ansetzen.

Bildung eines Investitionsabzugsbetrags ab dem 1.1.2016: Durch das Steueränderungsgesetz
2015 wurde insofern eine gewisse Flexibilisierung herbeigeführt, als dass
ein Investitionsabzugsbetrag auch in Anspruch genommen werden kann, ohne dass
dafür ein „bestimmtes“ Wirtschaftsgut angeschafft werden muss. Voraussetzung ist
jedoch, dass der Steuerpflichtige die Summen der Abzugsbeträge und der hinzuzurechnenden
oder rückgängig zu machenden Beträge nach amtlich vorgeschriebenen Datensätzen
durch Datenfernübertragung übermittelt.

Nach wie vor gilt: Die Berücksichtigung des Investitionsabzugsbetrags ist in dem Wirtschaftsjahr
rückgängig zu machen, in dem der Abzug erfolgt ist, wenn die geplanten
Investitionen unterbleiben. Dafür werden bestandskräftige Bescheide korrigiert und es
entstehen Zinsaufwendungen!

Investitionsabzugsbetrag nach Außenprüfung: Nach einer Entscheidung des Bundesfi –
nanzhofs vom 23.3.2016 darf ein Investitionsabzugsbetrag nicht allein deshalb versagt
werden, weil der Antrag erst nach einer Außenprüfung gestellt wird. Die Steuervergünstigung
kann danach zur Kompensation eines Steuermehrergebnisses der Außenprüfung
eingesetzt werden.

 

 

 

 

 

 

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