Gemeinsam mehr erreichen: Rechtsformen für Kooperationen

Von 28. März 2019Steuertipps

Welche Kooperationsformen für Ihr Unternehmen geeignet sind

Ewig als Einzelkämpfer unterwegs? Um wettbewerbsfähiger zu sein, suchen sich viele Gründer und Einzelunternehmer im Laufe ihrer Selbstständigkeit einen oder mehrere Kooperationspartner.

 Prinzipiell können Unternehmen ohne eine formale Regelung zusammenarbeiten. Wenn es um überschaubare kurzfristige Projekte geht, gibt es damit meistens keine Probleme. Bei längerfristigen Kooperationen ist aber auf jeden Fall eine schriftliche Kooperationsvereinbarung empfehlenswert.

 In diesem Blogartikel stellen wir Ihnen verschiedene Rechtsformen vor, die für Kooperationen geeignet sind.Lohnt sich eine Kooperation?

Gemeinsam lässt sich oft mehr erreichen. So können Sie durch Kooperationen zum Beispiel neue Kundengruppen erschließen, indem Sie Ihr Leistungsspektrum erweitern und sich zusammen mit anderen Unternehmern für größere Aufträge bewerben (Ausschreibungen). Kunden erwarten heute oft Komplettlösungen, die für kleine Unternehmen allein schwer zu realisieren sind.

Außerdem können Partner-Unternehmen anfallende Kosten senken, wenn sie durch gemeinschaftlichen Einkauf günstigere Konditionen bei Lieferanten erhalten oder sich die Fixkosten für teure Maschinen teilen. Bei Produktionsbetrieben bietet sich an, Produktionsengpässe und geringe Auslastungen gegenseitig auszugleichen.

Eine Kooperation birgt sicherlich auch Risiken. Die Kooperationspartner sollten vorab ihre Erwartungen klären und sich auf gemeinsame Ziele einigen. Haben die Kooperationspartner die gleiche Vorstellung von Qualität? Vermeiden Sie von vornherein Streitigkeiten über mangelhafte Leistungen.

Es sollte außerdem klar sein, wie die Arbeitsaufgaben und Kosten aufgeteilt werden und welche Regeln bei der Kommunikation nach innen und außen gelten.

Diese Punkte sollten Sie schriftlich in einem Kooperationsvertrag regeln.

Kriterien für die Wahl der Rechtsform

Für die Rechtsform einer Kooperation spielen verschiedene Faktoren eine Rolle. Es kommt etwa darauf an, wie langfristig und eng die Kooperation sein soll. Geht es um eine langfristige Zusammenarbeit, bei der die beteiligten Unternehmen nach außen als eine Marke auftreten? Oder geht es nur um einzelne Aufträge, bei denen man gemeinsam größere Chancen hat? Wollen die Partner-Unternehmen vielleicht nur in bestimmten unternehmerischen Bereichen zusammenarbeiten?

Wenn Sie diese Fragen für sich geklärt haben, kommen die folgenden Rechtsformen infrage.

Für einzelne Aufträge: Die Bietergemeinschaft/Arbeitsgemeinschaft

Wenn Sie sich an einer größeren Ausschreibung beteiligen wollen, können Sie zusammen mit anderen kleinen Firmen eine Bietergemeinschaft bilden, um mit größeren Unternehmen konkurrieren zu können.

Die Bietergemeinschaft bleibt nur bis zur Auftragsvergabe durch den Auftraggeber bestehen. Erhält die Bietergemeinschaft den Auftrag, wird sie zu einer Arbeitsgemeinschaft (ARGE). Sie besteht von der Auftragserteilung bis zum Ablauf der Gewährleistung. Meistens hat die Arbeitsgemeinschaft die Rechtsform einer GbR (Gesellschaft bürgerlichen Rechts), manchmal auch die einer OHG (Offene Handelsgesellschaft).

Für einzelne Bereiche: Interessengemeinschaft/strategische Allianz

Wollen Sie Ihre Kosten senken, lohnt es sich eventuell, mit anderen Unternehmen in strategisch relevanten Bereichen wie dem Einkauf, Vertrieb und der Produktion zu kooperieren. In einer strategischen Allianz verfolgen die Partner-Unternehmen das Ziel, ihre Wirtschaftlichkeit zu erhöhen. Durch größere Bestellungen bei Lieferanten, gemeinsam genutzte Werkzeuge und den Ausgleich von Produktionsengpässen können die Partner günstigere Konditionen erreichen und Ausgaben reduzieren.

Für einen gemeinsamen Außenauftritt: Die Gesellschaft bürgerlichen Rechts (GbR)

Egal, ob Sie Kleingewerbetreibender oder Freiberufler sind, eine Praxisgemeinschaft oder Arbeitsgemeinschaft haben – jede Geschäftspartnerschaft kann die Form einer GbR annehmen.

Wenn mehrere Einzelunternehmer nach außen gegenüber Kunden und Auftraggebern als eine Person auftreten, entsteht in der Regel automatisch eine Gesellschaft bürgerlichen Rechts (GbR), ohne dass besondere Formalitäten notwendig sind. Auch wenn eine mündliche Vereinbarung ausreichen würde, sollten Sie auch hier einen schriftlichen Vertrag schließen. Denn die Gesellschafter haften für die Verbindlichkeiten der Gesellschaft als Gesamtschuldner persönlich.

Für Freiberufler: Die Partnerschaftsgesellschaft Freier Berufe (PartG)

Für Freiberufler wie Rechtsanwälte, Unternehmensberater und Trainer, die eigenverantwortlich zusammenarbeiten wollen, gibt es eine besondere Form der Kooperation: die Partnerschaftsgesellschaft. Dafür sind mindestens zwei Gesellschafter nötig, die einen schriftlichen Partnerschaftsvertrag abschließen.

Die Partnerschaft muss ins Partnerschaftsregister eingetragen werden. Auch weil kein Mindestkapital erforderlich ist, ist die Partnerschaftsgesellschaft eine weniger aufwendige Alternative zur GmbH.

Die Gesellschafter haften neben dem Vermögen der Partnerschaftsgesellschaft für die Verbindlichkeiten der Gesellschaft als Gesamtschuldner persönlich.

Für einen gemeinschaftlichen Geschäftsbetrieb: Die eingetragene Genossenschaft (eG)

Als Kooperationsmodell für kleinere und mittlere Unternehmen bietet sich auch die eingetragene Genossenschaft (eG) an. Es sind mindestens drei Mitglieder für die Gründung erforderlich. Und die Genossenschaft muss ins Genossenschaftsregister beim Amtsgericht eingetragen werden.

Der Vorteil: Der Vorstand übernimmt im Auftrag seiner Mitglieder Aufgaben wie Einkauf, Auftragsakquise und -abwicklung, Werbung, Einhaltung von Qualitätsstandards und Fortbildungsmaßnahmen. Zudem kann die Genossenschaft auf gemeinschaftliche Rechnung Maschinen anschaffen.

Die eG haftet gegenüber Gläubigern in Höhe ihres Vermögens, die Mitglieder haften nicht persönlich.

Für feste langfristige Kooperationen: Das Joint Venture

Wenn Sie eine feste und langfristige Kooperation anstreben, können Sie natürlich auch gemeinsam ein neues Unternehmen gründen. Dieses Joint Venture ist rechtlich selbstständig und Sie können dafür jede beliebige Rechtsform wählen. Vielleicht handelt es sich auch um ein rein virtuelles Unternehmen, das standortunabhängig über elektronische Medien geführt wird. Diese E-Kooperationen werden zukünftig eine größere Rolle spielen.

Für Unternehmen gibt es also zahlreiche Möglichkeiten, zusammenzuarbeiten. Wählen Sie die passende Kooperationsform für Ihre Ziele – je nachdem, wie eng und von welcher Dauer die Zusammenarbeit sein soll.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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